Bucovina: „Es gibt kein Rezept des Erfolges, es gibt nur harte Arbeit und Eigensinn”

Ein Text von Paul Iancu

15 Jahren – oder „60 Jahreszeiten”, wie die Mitglieder von Bucovina sagen – nach ihrer Gründung hat die rumänische Band drei Konzerte in Deutschland. Sie tritt im September, in Erfurt und Nauen auf, nachdem sie am 27. Mai – dem letzten Tag des Dark Troll Festivals – in Bornstedt gespielt haben.

Sie sind doch dem deutschen Publikum keine Unbekannten: 2011 spielten die aus Iasi stammenden Musiker bei Wacken Open Air. Jedoch dauerte es sechs Jahren, bis sie zurück kamen. Sie sind jetzt reifer und, warum nicht, auch schneller und härter. Und dem Zuschauer gefällt das, wie man auch in Bornstedt bemerken konnte. „Wir sind Spätentwickler”, scherzt Florin „Crivat” Tibu, wenn er sich erinnert, dass die Band 2000 gegründet wurde, doch sie eine so lange Zeit brauchte, um im Ausland zu touren.

Er ist noch überrascht, dass so viele Leute die Musik von Bucovina kennen und geniessen: „Es war für uns wie ein amerikanischer Traum: eines Tages trifft sich einer mit einem anderen und sagte: Wie wäre es, bei uns zu spielen? Wahrscheinlich gibt es Metalfans in Deutschland, die unsere Musik zuhören, ohne dass wir darüber wissen”, hat Crivat nach der Show gesagt. Und nicht nur in Deutschland, weil die rumänische Band im Herbst auch in Großbritannien, Österreich, Polen, Tschechei und sogar Japan auftreten wird.

Florin „Crivat” Tibu (Sänger, Gitarre), Bogdan Luparu (Sänger, Gitarre), Bogdan „Vifor” Mihu (Schlagzeug) und Jorge Augusto Coan (Bass) fühlen sich wohl, wenn sie bei einem solchen Festival spielen. Trotzdem war es jahrelang nicht so einfach, im Ausland zu touren. Manchmal haben sie sich beim Gedanken ertappt, wie es wäre, jetzt wieder 28 Jahren alt zu sein, statt 40: „Wir sollten das vor zehn Jahren tun, wir sollten ausleben, ohne zurückzuschauen”, erzählt Florin Tibu. „Es ging aber um unsere Arbeitstellen, ums Geld, um unsere Familien”, erklärt er.

Aufopferungen waren nötig, laut des Sängers, aber es habe sich allerdings gelohnt: „Es kommt zu einem Punkt, wenn die Band ein wichtiger Teil deines Lebens wird, sie wird selbst dein Leben”. Er würde sogar sagen, dass 2017 ein neuer Anfangspunkt für Bucovina ist: „Da wir nachvollzogen haben, dass wir auch anders arbeiten können. Wir können jetzt behaupten, dass wir alles Nötige haben, um irgendwo zu spielen, egal ob es um ein größes Festival oder um einen Club geht, wir sind bereit, das zu machen, und wir wollen es machen. Ich hoffe, dass jetzt alles schneller passiert. Für uns sieht die Zukunft rosig aus”.

Sie haben dennoch „60 Jahreszeiten” gewartet, um ihre Träume anfangen zu erfüllen. „Tatsächlich haben wir starrsinnig gearbeitet. Jetzt ist es die beste Zeit, das Fundament zu legen, um dann zu hoffen, weiter bauen zu können. Wir werden keine Rockstars sein, uns ist es jedoch wichtiger, zurückzublicken und unsere eigene Geschichte zu sehen”. Und die ersten Seiten des neuen Teils ihrer Geschichte sind schon geschrieben: „Als wir noch in der Hinterbühne waren, kam das Mädchen, dem wir unsere Fanartikel gegeben hatten, und sagte uns: We need more CDs! Wir hatten dem schon 30 Stück gegeben, aber sie wurden augenblicklich ausverkauft”. Sie waren verblüfft, erinnert sich Crivat: „Hier spielten wir erstmals und uns wird gesagt: Wir brauchen mehr CDs! Ach so… Das war das Geheimnis! Man braucht nur 15 Jahre voller Qual und Marter, um Erfolg zu erleben”, scherzt der Sänger von Bucovina.

Ein Rumäne kennt schon die Bedeutung des Namens, der auf dem T-Shirt von Florin Tibu geschrieben ist. Derselbe Name ist auf seinem linken Arm tätowiert – Rugina. Der war einer seiner besten Freunde: „Von ihm habe ich am meisten gelernt, wenn es um die Bühne geht”. Adrian Rugina war jahrelang ihr Toningenieur und selbst Musiker, als Schlagzeuger der rumänischen Band Bucium. Er ist im Jahre 2015 gestorben, als der Club Colectiv in Bukarest Feuer fing. 64 Metalfans sind da gestorben. Rugina konnte sich auch retten, doch beschloss er, zuerst anderen zu helfen. Fünf Mal ist er rein- und rausgekommen und fünf Menschen wurden aus dem brennenden Club rausgeholt. Das sechste Mal ist er durch den giftigen Rauch reingegangen, es war aber auch dem kräftigen Mann zu viel.

Der Brand aus Colectiv Club war damals die grausige Nachricht des Jahres. Künstler aus der ganzen Welt haben auf die sozialen Medien reagiert, Geld wurde für die Opfer gesammelt, aber nichts Wichtiges ist geändert, wie auch die Bandmitglieder bemerken konnten: „In Wirklichkeit ist alles wie davor. Bis selbst eine Bekannte eines Politikers in einem solchen Vorfall stirbt, wird nichts passieren”. „Adi ist aber für immer ein Teil von uns. Er ist das Mitglied, der weder Pass noch Ausweis braucht, um mitzukommen”. Ein Lied wurde zum Gedenken an Rugina geschrieben – „Asteapta-ma dincolo (de moarte)” / „Warte auf mich jenseits (von Tod)”.

Dieses Lied ist unter den ersten, die von Martin Buchwalter abgemischt wurden. „Der kommt aus Deutschland, er ist der Schlagzeuger von Perzonal War und er arbeitet bei Gernhart Studio. Mit ihm werden wir zusammen arbeiten, bis alle Stücke fertig sind. Dann werden wir zwei Monaten Pause machen, um aufzunehmen und danach werden wir Dan Swanö alles schicken”. Mit dem bekannten schwedischen Künstler hat Bucovina schon bei drei Alben kollaboriert: „Duh” (2010), „Sub stele” (2013) und „Nestramutat” (2015). „Wir würden zwei Monaten brauchen, um uns nur um die neue Platte zu kümmern. Zurzeit können wir aber nicht aufhören, zu touren, wir leisten uns es nicht”, sagte Florin Tibu.

Es ist aber sicher: Wenn eine Band Bucovina (auf Deutsch Buchenland) heißt, muss die auf Rumänisch singen. Auch wenn das bedeutet, dass nicht zu viele Leute den Liedtext verstehen. Erstaunlicherweise gibt es aber Ausländer, die die Texte kennen. Es ist nicht nur in Deutschland passiert, sondern auch in Brasilien. „Ich war auf der Bühne und ich sprach mit den Kollegen: Habt ihr diesen Jungen gesehen? Er trällert nicht, er tut wirklich singen!”, erzählt Florin Tibu. Bogdan Luparu fügt hinzu: „Wenn man einem Zuschauer erklärt, worum es in einem Lied geht, versteht er besser. Und er spürt die Bedeutung, indem er mitsingt. Die Musik ist wirklich die Sprache, die alle verstehen, egal woher sie kommen”.

Manche Bands überwinden dieses Hindernis, indem sie auf Englisch singen. Florin und seine Kollegen wollen das aber nicht, sie leisten es nicht: „Es werden zwei-drei Verse auf Englisch sein, als Teil eines Refrains, mehr aber nicht. Selbstverständlich wird Bucovina eine rumänische Band mit rumänischen Liedtexten bleiben”, versichern sie den Fans. Und sie werden vorgehen. Mit vieler Arbeit und Eigensinn, genauso wie davor. „Es gibt für uns keinen Rückweg. Wir werden weiter gehen, dass ist alles, was ich sagen kann”, verspricht Crivat.

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